Wahlärztin für alle Kassen
Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronararterien). Sie wird in den meisten Fällen durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung) verursacht. Hierbei bedingen Ablagerungen in den Gefäßwänden eine Versteifung sowie eine zunehmende Verminderung des Gefäßquerschnitts. Die Folge ist eine Beeinträchtigung der Durchblutung und damit eine verminderte Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot, welches als Ischämie oder als Koronarinsuffizienz bezeichnet wird.
Das Leitsymtom der KHK ist die Angina pectoris (Brustenge). Mit zunehmendem Fortschreiten der Erkrankung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Begleiterscheinungen, wie Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz, sowie lebensbedrohlichen Komplikationen, wie Herzinfarkt und plötzlicher Herztod.
Die KHK ist eine chronische Erkrankung, die im Verlauf von Jahren bis Jahrzehnten fortschreitet. Eine Heilung ist nicht möglich, jedoch kann die zunehmende Verschlechterung durch die Vermeidung oder medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren meist eingedämmt werden. Des Weiteren kann die koronare Herzkrankheit durch therapeutische Eingriffe mittels Herzkatheter und operativ behandelt werden. Die KHK ist mit ihren akuten Manifestationen die häufigste Todesursache in den Industrienationen.
„Stabil“ bedeutet in diesem Fall, dass die Angina Pectoris immer unter denselben Umständen auftritt. Es wird in vier Stadien unterschieden. Dabei steigern sich der Schmerz und die Einschränkungen, die eine stabile Angina Pectoris mit sich bringt, bei jedem Stadium.
„Instabil“ bedeutet in diesem Fall, dass die Beschwerden den bis dahin gewohnten Charakter ihres Auftretens verändern. Dabei unterscheidet man:
Es kann auch zu atypischen Angina Pectoris-Beschwerden kommen, die beispielsweise bei bestimmten Körperhaltungen auftreten. Der Schmerz kann aber auch ausschließlich nachts auftreten oder er verschwindet einfach beim Fortsetzen der körperlichen Belastung.
Ein Herzinfarkt ist heutzutage die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt sind zumeist:
Je früher ein Patient die Chance auf ärztliche Behandlung bekommt, umso höher sind seine Überlebenschancen. Bei der Behandlung wird zuallererst angestrebt, das verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen. Bei sofortiger Behandlung kann beinahe jeder Herzinfarkt einem günstigen Verlauf zugeführt werden.
Medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren
Dilatation (PTCA) und Stent-Implantation
PTCA steht für Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie und bedeutet die Möglichkeit zur Erweiterung der
Engstellen in den Herzkranzgefäßen mittels Herzkatheter (Koronarangiographie). Bei der Herzkatheteruntersuchung
wird ein Zugang über die Leistenarterie gelegt und mit Kontrastmittel die Herzkranzgefäße dargestellt. Falls
sich dabei Engstellen an den Herzkranzgefäßen zeigen wird im Anschluss eine PTCA durchgeführt. Meistens wird
bei der Prozedur ein Stent implantiert (Gefäßstütze aus Edelstahl), um das Gefäß dauerhaft offen zu halten.
Ein Stent ist im Prinzip ein kleines Röhrchen aus einem Drahtgeflecht. Ein Stent bleibt für immer im Gefäß.
Aortokoronare Bypassoperation (ACBP)
Die ACBP ist die häufigste Herzoperation in der westlichen Welt. Bei Patienten mit mehreren Verengungen ist die
Bypassoperation die Therapie der Wahl, um Lebensqualität und Lebenserwartung langfristig zu verbessern. Die
Indikation ergibt sich aus koronarangiografisch gesicherten Stenosen, die das Gefäßlumen erheblich reduzieren und
die nicht durch andere interventionelle Methoden beseitigt werden können. Bei der Operation werden die Engstellen
oder Verschlüsse durch körpereigene, gesunde Gefäße überbrückt (z.B. Brustwandarterie, Unterschenkelvenen oder
Unterarmvenen). Der Brustkorb wird geöffnet, der Patient an die Herzlungenmaschine angeschlossen und die
Gefäßbrücken zwischen der Hauptschlagader und dem Herzkranzgefäß mit einem dünnen Faden befestigt.
Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, bedeutet, dass das Herz die Versorgung der Organe nicht mehr gewährleisten kann. Auslöser einer Herzschwäche sind z.B.:
Herzschwäche wird üblicherweise mit speziellen Medikamenten oder einer speziellen Herzschrittmachertherapie behandelt.
Herzklappen sind Bindegewebestrukturen, die zwischen den Vorhöfen und Herzkammern hängen (Segelklappen: Mitralklappe und Tricuspidalklappe) und die Herzkammern und große Gefäße trennen (Taschenklappen: Aortenklappe und Pulmonalklappe). Die Herzklappenfehler werden in angeborene und erworbene unterteilt.
Die angeborenen Fehler sind bereits bei der Geburt bestehende Missbildungen der betroffenen Klappe, welche sich im Laufe des weiteren Lebens verschlechtern.
Die erworbenen Fehler entstehen durch Entzündungen im Bereich der Herzklappen (Endokarditis) oder aber durch zunehmende Kalkablagerungen im Gewebe.
Klappenrekonstruktion
Hier bleibt die eigene Herzklappe erhalten, die überflüssigen Anteile werden entfernt und bei unvollständigem Klappenschluss wird ein Kunststoffring in den Klappenansatz eingenäht. Bei völlig zerstörter oder verkalkter Klappe ist diese Technik nicht möglich.
Klappenprothesenimplantation
Man unterscheidet mechanische und biologische Herzklappenprothesen. Die mechanischen sind langlebig, aber machen eine dauerhafte Einnahme von bestimmten Medikamenten (Marcoumar) notwendig. Die biologischen Herzklappenprothesen haben den Nachteil, dass sie schneller degenerieren (verkalken).
Jede KlappenprothesenträgerIn unterliegt einer Endokarditis-Prophylaxe-Pflicht (antibiotische Behandlung) im Falle von Verletzungen oder Eingriffen. Die Patienten erhalten einen „Klappenprothesenausweis“, der immer mitgeführt werden sollte.
Ein unregelmäßiger Herzschlag ist dabei die häufigste Art von Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern). Dieser ist medikamentös zu behandeln (Herzrhythmusmedikamente sowie meist Marcoumar). Diese Herzrhythmusstörung ist nicht lebensbedrohlich, kann aber die alltägliche Leistungsfähigkeit etwas einschränken. Gelegentlich wird eine Kardioversion (Elektroschock) vorgeschlagen.
Zur Orientierung: Der normale Puls sollte zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute liegen und dabei eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen. Eine zu langsame Schlagfolge (Bradykardie) mit einem Puls unter 40 Schlägen pro Minute bedarf meist der Versorgung mit einem Herzschrittmacher. Herzkammerrhythmusstörungen (Kammertachykardie) bedürfen der Versorgung mit einem speziellen Herzschrittmacher/Defibrilator (AICD).
Herzschrittmacher
Ein Herzschrittmacher wird eingesetzt, wenn die elektrische Tätigkeit des Herzens nicht mehr ausreicht. Die Ursachen können auf verschiedenen „Etagen“ des Herzens liegen (Sinusknoten, AV-Knoten, His-Bündel etc). Die Operation erfolgt in der Regel in lokaler Betäubung.
Dank hoch entwickelter Technik wiegen die Schrittmacher nur noch 20g und werden unterhalb des Schlüsselbeins platziert. Die Elektroden (isolierte „Kabel“) verlaufen „unsichtbar“ innerhalb der Venen in das Herz. Je nach Störung benötigt das Herz Impulse in der rechten Herzkammer (Einkammerschrittmacher) oder sowohl im Vorhof als auch in der Kammer (Zweikammersystem).
Nach 8-10 Jahren wird die Herzschrittmacherbatterie ausgetauscht. Bei schwerer Herzmuskelschwäche wird manchmal ein „Dreikammersystem“ notwendig. Hier wird die dritte Elektrode in der linken Herzkammer implantiert.
AICD
Der Automatische Implantierbare Cardioverter-Defibrillator (AICD) limitiert schnelle, lebensbedrohliche ventrikuläre (von der Herzkammer ausgehende) Rhythmusstörungen durch einen Elektroschock. Parallel werden starke herzrhythmusstabilisierende Medikamente auf Dauer verabreicht.
Jeder Herzschrittmacherträger erhält einen „Schrittmacher-Ausweis“, der immer mitgeführt werden sollte. Das alltägliche Leben wird durch den Schrittmacher nicht beeinflusst. Allerdings sollten starke magnetische Felder gemieden werden (Kernspintomograph, Sicherheitsschleuse am Flughafen etc.). Das Benutzen von schnurlosen Telefonen und Mobiltelefonen ist möglich.