Prof. Dr. med. univ. Bonni Syeda
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiologie), AKH-Wien
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Tel: 0699/ 194 653 18
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Risikofaktoren

Die Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit (KHK) sind die gleichen wie für die Arteriosklerose. Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind neben steigendem Alter das männliche Geschlecht sowie erbliche Veranlagung.

Vermeidbare Risikofaktoren sind:

  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörung
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Zigarettenkonsum
  • Stress

Viele dieser Risikofaktoren hängen mit Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und erhöhtem Alkoholkonsum zusammen.

Wie groß der Einfluss der Risikofaktoren im Einzelfall ist, lässt sich schwer vorhersagen. Fest steht aber: Je ungesünder der Lebensstil ist und je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, desto größer ist die Gefahr für eine KHK wie auch für einen Herzinfarkt.

Bluthochhdruck

Die arterielle Hypertonie, oder im täglichen Sprachgebrauch Bluthochdruck genannt, ist ein Krankheitsbild, bei dem der Blutdruck des arteriellen Gefäßsystems chronisch erhöht ist. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt ein systolischer Blutdruck >140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg als Hypertonie. Ursachen der arteriellen Hypertonie sind Störungen des Hormonsystems, des Herz-Kreislauf-System sowie Nierenschäden. Dem größten Teil der Erkrankungen liegen jedoch weitgehend unbekannte Faktoren zugrunde.

Hypertonie wird oft über viele Jahre nicht bemerkt, da sie anfangs keine Beschwerden verursacht und erst nach Auftreten von Komplikationen erkannt wird. Sie weist meist nur unspezifische Symptome auf. Folgeschäden wie die koronare Herzkrankheit mit der Folge von Herzinfarkten sowie Nierenversagen und Schlaganfall sind allerdings für einen Großteil der Todesfälle in den Industrieländern verantwortlich. Zur Behandlung stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung, die in Verbindung mit Änderungen des Lebensstils den Blutdruck effektiv senken und das Risiko der Komplikationen deutlich mindern können.

Folgen einer akuten Blutdrucksteigerung
(Hypertensive Krise: Blutdruckanstieg > 120 mmHg diastolisch)
:

  • Kardial: Angina pectoris (Brustschmerzen), Atemnot, Herzrhythmusstörung, Schlaganfall, akutes Linksherzversagen mit Lungenödem, dissezierendes Aortenaneurysma
  • Zerebral: Kopfschmerzen, Erbrechen, Sehstörungen, Verwirrtheit, Koma, intrazerebrale Blutung
  • Renal: Akutes Nierenversagen

Folgen einer chronischen Blutdrucksteigerung:

  • Herzbeteiligung = hypertensive Herzerkrankung
    • Herzmuskelhypertrophie
    • Koronarsklerose, Herzinfarkt
    • Herzinsuffizienz
    • 70 % der Hypertoniker versterben an kardiovaskulären Folgeerkrankungen
      (Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall)
  • Hirnbeteiligung = ischämische Hirninfarkte (Schlaganfälle)
  • Nierenbeteiligung = hypertensive Nephropathie, Niereninsuffizienz
  • Gefäßbeteiligung = arterielle Verschlusskrankheit

 

Fettstoffwechselstörung

Cholesterin wird vom Körper selbst produziert und auch mit der Nahrung aufgenommen. Insbesondere führt eine cholesterinreiche Ernährung (in erster Linie Fleisch, Hühnerei, Milch, Butter und andere Milchprodukte) zu einem erhöhten Cholesterinspiegel. Der erhöhte Cholesterinspiegel führt wiederum zu Arteriosklerose und somit zu einer „Verstopfung“ der Arterien. Da die Mehrzahl der Herzinfarkte durch Arteriosklerose ausgelöst wird, ist die Aufnahme von cholesterinhaltiger Nahrung somit eine wesentliche Ursache für Herzinfarkte.

Es gibt aber auch erbliche Störungen des Cholesterinstoffwechsels (familiäre Hypercholesterinämie), die unabhängig von der Nahrungsaufnahme zu stark erhöhten Cholesterinwerten im Blut führen. Man unterscheidet hierbei zwischen Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin.

Richtwerte:

 

Gesamtcholesterin:

<200 mg/dl

 

HDL-Cholesterin:

>35 mg/dl

 

LDL-Cholesterin:

<130 mg/dl

Bei erhöhten Cholesterinwerten ist eine Umstellung der Ernährung notwendig. Auch durch Bewegung/Sport kann der Cholesterinspiegel gesenkt werden. Damit sinkt das Risiko von Herzinfarkt oder Schlaganfall. In ausgeprägten Fällen sind Medikamente zur Cholesterinsenkung notwendig.

Triglyceride sind ein Gemisch aus hunderten unterschiedlichen Kombinationen des Fettmoleküls Glycerin und Fettsäuren. Sie dienen den Zellen als Brennstoff für die Energiegewinnung. Ein Teil von ihnen wird vom Organismus selbst gebildet. Die höheren ungesättigten Fettsäuren werden allerdings mit der Nahrung aufgenommen.

Bei erhöhten Triglyceridwerten (>180 mg/dl) sollte unbedingt auf Alkohol und zuckerhaltige Nahrung  verzichtet werden.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Zellen gestört und dadurch der Blutzucker erhöht ist. Dieser hohe Blutzucker kann anfänglich zu Symptomen wie vermehrter Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit führen.

Bestehen die hohen Blutzucker-Werte über Jahre, können dadurch Schäden an Blutgefäßen und Organen entstehen (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Retinopathie, Nephropathie, Neuropathie, diabetisches Fußsyndrom).

Die Diagnose Diabetes ist gegeben, wenn:

  • Der Gelegenheits-Blutzucker beträgt 200 mg/dl  oder mehr
  • Der Nüchtern-Blutzucker beträgt bei zweimaliger Testung 126 mg/dl oder mehr
  • Der Langzeit-Blutzucker HbA1c beträgt 6,5% oder mehr

Die Messung des Gelegenheits-Blutzuckers kann zu jeder beliebigen Tageszeit erfolgen, man muss dabei nicht nüchtern sein. Für eine Nüchternuntersuchung sollte der Patient acht Stunden vorher nichts gegessen haben. Der Langzeit-Blutzuckerwert kann nahrungsunabhängig zu jeder Tageszeit bestimmt werden.

 

Übergewicht

Ein Übergewicht liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 kg/m2 vor, ein krankhaftes Übergewicht (Adipositas) ab einem BMI von 30 kg/m2. Dieser errechnet sich nach der Formel: Körpergewicht (kg) dividiert durch Körpergröße (m) zum Quadrat (BMI = kg/m2).

Entscheidend für das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist aber nicht nur der BMI, sondern auch das Fettverteilungsmuster. Besonders nachteilig wirken sich Fettdepots im Bauchraum und an den inneren Organen aus. Ab einem Bauchumfang von über 92 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen ist das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht, und es sollte eine Gewichtsreduktion angestrebt werden.

Bei Übergewicht sollten die Ernährungsgewohnheiten hinterfragt und überdacht werden. Durch die richtige Auswahl der Nahrungsmittel können Stoffwechselerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen oder erhöhte Blutzuckerwerte positiv verändert werden. Gut sind ballaststoffreiche Ernährung, Vollkornprodukte, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und abwechslungsreiche Vielfalt bei Salaten, Obst und Gemüsesorten.

Bekanntermaßen fetthaltige Nahrungsmittel wie Butter, Nüsse oder Mayonnaise sollten gemieden werden, ebenfalls zuckerhaltige Nahrungsmittel sowie Salz und Alkohol.

Zigarettenkonsum

Raucher haben in Abhängigkeit von der Anzahl täglich gerauchter Zigaretten und der Anzahl der Jahre, in denen geraucht wurde (pack-years), ein 2–5fach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Nikotin wirkt über das vegetative Nervensystem und verursacht Arterienverengung, Steigerung der Herzfrequenz und Erhöhung des Blutdruckes. Insgesamt steigt das Risiko für Gefäßverkalkung.

Stress

Stress ist ein zentraler Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit. Er führt zu einem Anstieg des Stresshormons Cortisol, welches die Ausschüttung gefäßschädigender Moleküle anregt. Lange Zeit dachten Herzspezialisten beim Risikofaktor Stress vor allem an Manager-Typen: Menschen also, die unter großem Leistungsdruck stehen, täglich über 12 Stunden arbeiten und keine Zeit zum Entspannen finden. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass nicht der Stress an sich entscheidend ist, sondern dass es eine viel größere Rolle spielt, wie dieser empfunden wird.

Wenn der Stress beflügelnd wirkt und mit Erfolgserlebnissen verbunden ist – Psychologen sprechen auch von Eustress -, wirkt er sich selten negativ auf das Herz aus, vorausgesetzt, es sind keine leistungssteigernden Drogen wie Kokain im Spiel. Stress dagegen, der mit Frustration einhergeht, auch Distress genannt, kann die Herzfunktion viel stärker beeinträchtigen.

Zum Stressabbau gehört Entspannung, entweder durch regelmäßige körperliche Bewegung oder durch z.B. autogenes Training oder Meditation.

Bewegungsmangel

Bewegungsmangel führt zwar nicht direkt zu einer Schädigung der Gefäße, aber sämtliche der anderen Risikofaktoren für Arteriosklerose werden mit körperlicher Bewegung gebessert und das Fortschreiten der Erkrankung dadurch aufgehalten. Zugleich steigt die körperliche Leistungsfähigkeit an.

Für die optimale Wirkung des „Wundermittels Bewegung“ ist Regelmäßigkeit und eine ausreichende Intensität wichtig; jedoch sollte man sich aber auch nicht überfordern. Am Besten wird mit dem Arzt besprochen, welcher Sport im Einzellfall geeignet ist und zugemutet werden kann. Mit einem Belastungs-EKG kann die persönliche Leistungsgrenze genau festgestellt werden.

Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Walking, leichtes Joggen, Skilanglauf, Schwimmen und Rad fahren. Es sollte über einen längeren Zeitraum (optimal sind 30 Minuten) mit niedriger bis mittlerer Anstrengung trainiert werden, wobei öfter besser ist als länger.

Also lieber dreimal pro Woche für 30 Minuten, als einmal 90 Minuten. Wichtig ist es, sich nicht zu viel vorzunehmen. Zu Angina pectoris Beschwerden sollte es beim Sport auf keinen Fall kommen. Schon ausgedehnte Spaziergänge, drei- bis viermal in der Woche, reichen aus, um gesünder zu werden. Weniger günstig sind Kraftsportarten, bei denen eine kurze aber starke Belastung auftritt.

Negativ-Beispiele sind Tennis, Mountainbiken, Squash oder Hanteltraining mit großen Gewichten.

Familäre Belastung

Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit ist bei positiver Familienanamnese (Verwandte 1. Grades mit koronarer Herzkrankheit) deutlich gesteigert. Da diese erbliche Veranlagung nicht beeinflussbar ist, soll in diesem Fall das Gesamtrisikoprofil niedrig gehalten werden (Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin etc.).

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